Odenwaldklub erkundet römisches Leben

Auf Einladung des Landesverbandes des Deutschen Gebirgs- und Wandervereine e.V. erkundeten rund 100 Teilnehmer die Saalburg, darunter auch eine achtköpfige Gruppe des Rüsselsheimer Odenwaldklubs.

Um 90 nach Chr. entstand hier ein typisches römisches Kastell mit Wehrmauern, Wachtürmen, Mannschaftsunterkünften und Lagern, das 150 Jahre später dem Ansturm der Germanen zu Opfer fiel. Im Zuge der Erforschung des Limes veranlaßte Kaiser Wilhelm II. Ende des 19. Jahrhunderts den Wiederaufbau der Anlage, der 1907 abgeschlossen wurde. Seitdem vermittelt die Saalburg einen anschaulichen Eindruck des täglichen Lebens an der einstigen römischen Reichsgrenze. Sehr anschaulich waren auch die Erklärungen bei der Führung zu dem außerhalb des Kastells liegenden Dorfes und der Therme, von denen leider nur noch die Grundmauern erhalten sind. So erfuhren die Teilnehmer z.B. daß die Römer sich zur Besprechung geschäftlicher Angelegenheiten auf der Latrine trafen, daher rührt wohl auch der Ausdruck „sein Geschäft machen“. War dieses erfolgreich abgeschlossen säuberte man sich mangels Papier mit einem Schwamm.

Als ein heftiger Gewitterregen losbrach befand man sich glücklicherweise gerade im nachgebauten, nur durch Fackeln ausgeleuchteten, Mitrasheiligtum. Leider mußte dann aber die Begehung des Limes ausfallen und die Teilnehmer begaben sich zur Taberna um typisch römisches Essen zu probieren. Lecker war der Moretum, ein Kräuterkäse, dazu gab es Römerbrot. Nicht gereicht wurden Puls, ein Getreidebrei und Hauptnahrungsmittel der einfachen Leute, und Fischsoße, die ein beliebtes Gewürz der Römer war. Dazu wurden Fischreste mit Salz gemischt in einer luftdicht verschlossenen Amphore Monatelang in die Sonne gestellt. Frisch gestärkt, aber etwas durchgefroren wurden dann die Innenräume der Saalburg erkundet. Im ehemaligen Getreidespeicher befinden sich Tausende gut erhaltene Fundstücke. Dort erfuhren die Teilnehmer auch, daß die Römersandalen nicht unbedingt bequem waren, denn es wurden mehrere Lagen Ledersohlen verwendet die ein Abrollen des Fußes unmöglich machten. Erst nach einem gewissen Training waren die Soldaten überhaupt in der Lage den zur Prüfung gehörenden Fußmarsch zu bewältigen. Wer die Dienstzeit überlebte hatten zwar einige Sesterzen im Beutel dafür aber auch bestimmt gehörige Probleme mit den Hüften. Nach der Besichtigung des Fahnenheiligtums und eines Mosaiks im Innenhof der Kommandantur endete die Führung und die Rüsselsheimer Teilnehmer machten noch einen Abstecher zum nahegelegenen Freilichtmuseum „Hessenpark“.

Ursula Schmidt

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